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Biologe als Dienstleister

Das Nachfolgende ist sicherlich nicht zu verallgemeinern, kommt aber doch immer wieder vor: Anfang November ruft mich ein Werksleiter einer größeren Firma an, die Tierreste verwerten. Sie produzieren in Europa und verschiffen die Ware nach Asien. Ein paar Wochen später erhält er eine Reklamation, weil Käfer einer unbekannten Art in der Ware gefunden wurden.
Da es um viel Geld (6stelliger Betrag) geht, versucht er über die Uni einen Fachmann zu bekommen, der ihm die Tiere bestimmen kann und ihm vor allem sagen kann, woher die Tiere stammen, damit die Kosten nicht seinem Werk angelastet werden. Es ist also eine exentielle Frage.

Die Uni wendet sich an mich und ich frage Kollegen, um den geeigneten Fachmann zu finden. Nach vielen Gesprächen gelange ich an eine Einrichtung in H., die sich mit, über importierte Ware, eingeschleppte Arten beschäftigt. Sie rechnen sogar 15minütig genau ab. Machen also insgesamt einen sehr professionellen Eindruck, da sie auch noch den Namen „amtlich…“ im Firmennamen tragen, sogar noch einen behördlichen Eindruck: wirtschaftlich und behördlich

Resultat: Nach vier Wochen liegt immer noch kein Ergebnis vor. Wohlgemerkt, die Auftrag hat eine exentielle Dimension.

Ich muss wohl niemandem sagen, dass der Werksleiter ungehalten ob dieser angebotenen Dienstleistung war. Klar ist aber auch, dass wissenschaftliche Untersuchungen manchmal länger dauern können. In diesem Fall hätte das Ergebnis aber sicherlich auch schneller geliefert werden können.

Dieses Problem stellt leider keinen Einzelfall da. Da Biologen an der Universität nicht auf den freien Markt vorbereitet werden, reden Dienstleister (Biologe) und Kunde immer wieder aneinander vorbei. Es kommt zu beidseitigen Irritationen und häufig auch zu Ärger. Schnell sind Biologen dann wieder im berühmten Elfenbeinturm. Dagegen gibt es viele Biologen, die sich am freien Markt „durchschlagen“, keine eigene Krankenversicherung bezahlen können und von ca. 10.000 € Jahresumsatz leben. Wenn der Elfenbeinturm so wenig einbringt, dann sollte keiner von uns Biologen diesen besteigen.

Das Ansehen der Biologen ist nicht wirklich gut, das Geschäftliche leider aber auch nicht. Es wird Zeit das sich da was ändert. Denn mit einer Ausbildung, die viel Zeit verschlingt, sollte sich mehr erreichen lassen.

Ich verweise auf einen Artikel, der dieses Thema aufgreift:
Kreuels, M. (2005): Entomologen müssen lernen, wirtschaftlich zu denken!“ DGaaE-Nachrichten 19(2): 121-122.

Gerne diskutiere ich mit Ihnen weiter über dieses Thema und stelle Ihre Anmerkungen hier auch ein.

Ihr Martin Kreuels

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