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Konfrontationstherapie

Liebe Leser,

heute Abend lief um kurz nach 22 Uhr ein Bericht in Frau TV zum Thema Spinnenangst, die sogenannte Arachnophobie. Psychologen aus Jena bearbeiten dieses Thema zur Zeit in einer wissenschaftlichen Studie. Bis hierhin gibt es keine Einwände und die Studie ist auf jeden Fall zu unterstützen und wird wichtige Resultate liefern.

Es gibt allerdings einen Haken an der Geschichte: Die mögliche Therapie wird mit einer Vogelspinne durchgeführt. Aber warum ist das ein Problem?

Ich übe jetzt seit fast 7 Jahren mit Menschen, die Spinnenekel oder Spinnenängste haben, teilweise sogar in Zusammenarbeit mit Psychologen. Die Erfahrung lehrt, dass die Spinnenangst zwar auch mit einer Vogelspinne behoben werden kann, dies aber nicht das wirkliche Problem löst, und die dauerhafte Wirkung meist bald wieder nachlässt. Die Menschen, die mit Vogelspinnen konfrontiert werden, äußern nach kurzer Zeit immer wieder, dass eine Vogelspinne nicht so schlimm sei, da sie durch die dichte Behaarung einem Stofftier ähneln würde. Das eigentliche Problem sind tatsächlich die erheblich kleineren Spinnen im Haus, wie beispielsweise die Hauswinkelspinnen. Eine wirklich sinnvolle Konfrontation kann demnach nur mit einheimischen Spinnen stattfinden, da die ängstlichen Menschen im eigenen Umfeld (zu Hause, bei der Arbeit) eben nicht mit Vogelspinnen in Kontakt kommen, wohl aber mit der Hauswinkelspinnen. Diese Spinne ist meist zarter gebaut, hat auch viele Haare, ist dunkel gefärbt und vor allem läuft sie hektisch schnell.

Ich plädiere demnach dafür, Menschen mit Spinnenängsten auch die Tiere vorzuführen, die sie hier immer wieder sehen können. Vogelspinnen werden wir in naher Zukunft sicherlich nicht als heimische freilebende Spinnen antreffen (*). Aber vielleicht gehört die große, stark behaarte Vogelspinne als Teil der Show mit dazu und der Therapierende kann dokumentieren, wie „taff“ er doch ist! Dies aber nur als abschließende Hypothese.

Gruß Ihr Martin Kreuels

(*) Eine kurze wissenschaftliche Anmerkung ist hier notwendig: Natürlich haben wir auch hier in Deutschland heimische Vogelspinnenverwandte. Diese Arten (3) werden aber nur 1,5-2 cm groß, leben in unterirdischen Schläuchen und ähneln den tropischen Vogelspinnen, die für Therapien eingesetzt werden, nicht.

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